Kultur ist Suppe = eine Gleichung, ein Messgerät eine Formel, die Kultur m/essen kann.
1998 erstellen junge Wissenschafter der Publizistik / Kommunikationswissenschaft / Theaterwissenschaft die Theorie: Kultur ist Suppe. Eine Theorie,
eine Regel welche schon Gültigkeit hatte, seit wir vom Baum herunterstiegen,
und nun überrollt die Schnelligkeit der Zeit beinhart Kultur ist
Suppe und püriert diese.
Kultur ist Suppe - Teil 1, 17min. (Teil 2 s.u.)
Kultur ist laut Lexika der Gesamtausdruck geistige und künstlerische
Gesamtausdruck eines Volkes, einer Gesellschaft, eines Kulturkreises.
Kultur ist also ein Prozess, ein Entstehen, ein Gewachsen-Sein;
Kultur definiert sich durch bestimmte Lebensgewohnheiten und das Verhalten.
Ob nun am Fußballplatz, im Wirtshaus oder in der Oper. Dieses Verhalten läßt erkennen, welchen Kulturkreisen eine
bestimmte Person, ein bestimmter Personenkreis zugehörig ist.
Kultur ist Suppe mit Hilfe einer kleinen (hmmm) Grafik erklärt:
(Text & Grafik/Ernst Tradinik)
Kulturkreis kann ein Dorf, eine Stadt, Staat, Kontinent
etc... sein. Innerhalb dieser Kulturkreise gibt es dann kleinere Kulturkreise,
welche eine eigene Art Kultur entwickelt haben, welche von dem größeren
Kulturkreis abstammt.
Kulturerschmeckung. Welterkenntnis;
oder schlicht:
eine Seminararbeit; von:
Veronika Wunderlich
Christopher Töpfer
Helmut Schweighofer
Ernst Tradinik
KULTUR IST SUPPE. Ganz einfach nun:
Mittels Befragung oder noch genauer, vai Suppenverkostung und Befragung
kommt man zum gewünschten Ergebnis (siehe Film Kultur ist Suppe)
(Text/Veronika Wunderlich)
DAS SALZ IN DER SUPPE
WARUM DIE SUPPE...?
Suppe im Seminar - eine Rechtfertigung
Die Geburt des Projekts "Kultur = Suppe"
Die Idee, uns im Rahmen des Seminars Kulturkommunikation - Kommunikationskultur
ausgerechnet auf ein kulinarisch anmutendes Projekt zu stürzen, ist
sozusagen aus einem "Unbehagen an der Kultur" heraus entstanden:
Ein erstes Brainstorming, das eigentlich dazu dienen sollte, einen für
uns alle verbindlichen Kulturbegriff zu finden, mit dem man dann das Thema
"Kultur als fiktionaler Begriff" in Angriff nehmen könnte,
scheiterte an der Unvereinbarkeit unserer Positionen.
Die zweite Sitzung fand im Rahmen eines Mittagessens statt. Ein Teller
Suppe, der auf dem Tisch stand, war der Anlaß dafür, daß
schließlich jener Satz fiel, der Licht ins Dunkel bezüglich
unserer Entscheidungsfähigkeit in Sachen Kulturbegriff brachte:
"Kultur ist Suppe: Einzelne Teile, die man ohne weiteres identifizieren
kann, schwimmen in ihr herum, andere sind schon weniger deutlich zu erkennen
und alles zusammen ist... einfach Suppe, ungreifbar, flüssig, sie
rinnt dir durch die Finger, wenn du sie nicht mit dem Löffel bezwingst..."
Das Bonmot hatte offenbar den Nagel auf den Kopf getroffen. Es stellte
sich heraus, daß diese eine Definition war, mit der wir uns alle
anfreunden konnten - das Projekt "Kultur = Suppe" war geboren.
In einem Seminar, das Kultur, Kommunikation und unterschwellig auch Kunst
behandeln soll, hat die Suppe unbestritten ihren verdienten Platz.
Wer wollte leugnen, daß die Aufnahme von zubereiteter Nahrung weit
über die reine Bedürfnisbefriedigung hinausgeht und somit ein
zutiefst kultureller Akt ist!
Die Suppe in ihrer puristischten Form, als
leere Bouillon, kann gar als ein besonders hochstehendes Kulturprodukt
angesehen werden, ist sie doch schließlich ein Konglomerat aus lauter
Geschmacksspuren von Dingen, die materiell gar nicht mehr vorhanden sind,
die, selbst ausgelaugt, sich sozusagen zur reinen Essenz verdichtet haben.
Die Brühe ist, mit einem Wort, ein höchst philosophisch Ding.
Essen ist seit jeher ein kommunikativer Prozess. In unserer heutigen
Streßkultur entwickeln wir zwar ein zunehmend autistisches Eß-
(oder besser Stopf-)verhalten, aber die Suppe ist vor Fast-food-Freaks
aus mehreren Gründen ziemlich sicher:
Sie ist (im Idealfall) so heiß, daß sie bei unangemessen
schneller Aufnahme unweigerlich alle Schleimhäute, mit denen sie
in Berührung kommt, verbrennt.
- Ihr Nährwert ist ein recht bescheidener.
- Man kann sie nicht im Gehen essen.
- Man kann sie nicht in sich hineinstopfen.
SuppenesserInnen sind tendenziell Leute, die Zeit haben. Das "Appetitlexikon"
bezeichnet das Suppenessen gar als eine "gefühlvolle Tätigkeit,
die der Niederdeutsche supen, der Oberdeutsche supfen und der Hochdeutsche
schlürfen nennt." In einem Rahmen, wo "gefühlvoll"
geschlürft wird, ist kein Platz für Hektik. Dafür umso
mehr für Kommunikation.
Von Kochkünstlern spricht man wohl erst in unserem Jahrhundert, dem
alles zur Kunst geworden ist. Daß Suppe auch in der Kunst - in der
bildenden wie in der darstellenden- ihre Nische hat, soll durch unser
Projekt ebenfalls bewußt gemacht werden.
Der praktische Teil unseres Projekts soll klären, ob es tatsächlich
möglich ist, die Suppe als Metapher für Kultur zu setzen, innerhalb
welcher sie zweifellos, wie oben angedeutet, ihren Platz hat. Das Unbehagen
an der Kultur, auch ein Teilaspekt unseres früheren Themas "Kultur
als fiktionaler Begriff" -also bevor wir uns das "Projekt Suppe"
eingebrockt hatten- sollte sich in diesem Fall relativ reibungslos auf
ein Unbehagen an der Suppe umlegen lassen.
Ob und wie dies alles zu bewältigen ist, wird sich anhand der Ergebnisse
einer Erhebung zeigen, deren Durchführung wir in einigen Phasen auch
per Video dokumentieren werden.
Auch wenn unser Zugang ein pointierter ist, werden wir doch versuchen,
im Rahmen unserer und des Themas Möglichkeiten engagierte "Wissenschaft"
zu betreiben und hoffen, am Ende mit ernsthaften Überlegungen aufwarten
zu können.
Text: Veronika Wunderlich
Kultur ist Suppe - Teil 2, 17min. (Teil 2 s.o.)
Literatur (zum Aufsatz rechte Seite):
Peter Kubelka; herausgegeben von Gabriele Jutz und Peter
Tscherkassky. Wien 1995.
Obige Zitate aus dem Aufsatz: "Über das Wiener Schnitzel"
(1974) S. 168,
und "Was bedeutet Essen und Kochen für die Menschen" (1987)
S. 170;
beide Aufsätze von Peter Kubelka.
Mit Kultur ist Suppe ist kulturelle Identität feststellbar, ob Menschen
Suppe überhaupt noch kennen, zumindest jene bestimmte Suppe, welche
aus der jeweiligen Region entstammt.
Auch kann man mit Fragen nach Suppe erkennen, ob ein "Zuagrasta"
sich in einer bestimmten Gegend schon eingelebt hat.
Deutlich wird dies erst, wenn man den/der ProbandIn eine bestimmte Suppe
hinstellt, mit der Aufforderung diese zu essen. Schnell wird man erkennen
können, was dieser Mansch mit Kultur anfängt, wie er/sie mit
einer bestimmten Art von Kultur umgeht.
Das erfüllt unser Modell Kultur ist Suppe:
Aus einem fiktiven verwaschenen Begriff bekommt man durch unser Meßverfahren
(bestimmte Suppe Probanden hinstellen und sagen: "Iß!"
) sofort handfeste Daten. Daten, welche keine Theorie liefern kann.
Kultur verändert sich natürlich mit den Lebensgewohnheiten der
Menschen. Seit wir Menschen vom Baum gestiegen sind, hat sich einiges
verändert. Die Zeiten wurden schneller, die Ernährungsgewohnheiten
paßten sich diesen Zeiten an. Kubelka stellte sich diesen Fragen:Kultur
heute?"Sollen wir noch kochen? Ist das notwendig? Oder ist Essen
eben nur Ernährung? Und wenn es nicht nur Ernährung ist, was
ist es dann?"
Kultur - Suppe - Kunst - Kochen
Peter Kubelka - einer; der es wissen muß!
"Aus dem Schenkel eines jungen Kuhmädchens
wird ein dünnes Stück lebendiges Fleisch herausgeschnitten und
mit federnden Schlägen weichmassiert. Es wird geschmückt mit
feinen, gestoßenen salzigen Kristallen..."
Peter Kubelka ist einer, der Kochen zu einer Kunstform erhoben hat. Nun
ist er damit sicher nicht der Erste. Sicherlich ist er aber einer der
wenigen Künstler, welche Kochen in einer Kunstschule unterrichten:
"Ich möchte Kochbewegungen zeigen. Einfach die Tätigkeit,
wie es gemacht wird. Handarbeit, Handkunst. Ich bin der Ansicht, daß
es sich beim Kochen um eine Kunst handelt. Genauso wie beim Malen, Bildhauern,
Musizieren, um nichts weniger geistig."
Mit Kubelka schließt sich der Kreis um des Menschen Kultur endgültig.
Kultur besteht aus menschlichem Handeln, aus menschlicher Entwicklung.
Kunst ist nur ein Teil von Kultur. Doch durch Kubelka wird deutlich, daß
die Kunst ein wesentlicher Teil von Kultur ist.
Mit dem Kochen begann dies. Eine Sache, welche uns (Menschen) deutlich
von den Tieren unterscheidet, könnte man meinen:
"Wo immer es geheißen hat, das Tier kann nicht lachen, das
Tier kann nicht sprechen, das Tier kann nicht kochen. Interessanterweise
wird diese Grenze zwischen Tier und Mensch heute in der marxistischen
Wissenschaft genauso eifersüchtig aufrechterhalten wie früher
von meinem Religionsprofessor. Nicht, daß Tiere denken könnten
oder daß sie Bewußtsein hätten, die leben bloß
so irgendwie. Meine eigene Anschauung bestätigt das nicht. Zum Beispiel bin ich
befreundet mit einem Esel. Ich habe ihm beim Kochen zugesehen: Der mäht
nicht, wie man glauben würde, wie ein Rasenmäher die Wiese ab.
Keineswegs! Er kocht. Und zwar kennt er genau jeden Grashalm in seinem
Gebiet, das ihm gehört. Die Gräser sind die Hauptmasse, die
frißt er. Dann geht er ganz woanders hin und würzt. Mit irgend
etwas anderem."
Kultur - Kochen - Heiß - Kultur entstand offensichtlich
durch das Kochen. Durch die Möglichkeit Feuer zu machen.
Der Mensch kam vom Baum runter und entdeckte das Kochen und damit die
Kultur. Eine Sache, hört man auf Kubelka, die Tiere schon immer konnten.
Das hieße, den fiktiven Begriff Kultur auch auf die "Tierheit"
auszudehnen. Und nicht nur auf die Menschheit, wie wir von Beginn an in
unserer Arroganz vermuteten. Denn:
"Kochen heißt ja nicht nur warm machen, sondern Kochen heißt
Speisen bereiten, wenn also Kochen Speisen bereiten heißt, dann
kochen auf jeden Fall alle Säugetiere. Alle unsere nächsten
Verwandten kochen - mit ihren Mitteln. Sie haben technisch nicht die Stufe,
die wir erreicht haben, sie machen zum Beispiel kein Feuer und kochen
darauf, aber mit den Mitteln die sie haben, sind sie oft viel subtiler
als wir."
Heiß essen ist und bleibt aber eine kulturelle Errungenschaft des Menschen. Affen stiegen vom Baum herunter, wurden zu Menschen und
begannen Suppe zu kochen, welche heiß verzehrt wurde. Unser Suppenmodell
ist somit lange zurückzuverfolgen, auch wenn dieses damals noch nicht
bekannt war.Kultur ist Suppe - ein ModellSchon damals, vor vielen vielen
Jahren war Suppe ein Indiz für (menschliche) Kultur.
Heute ist sie das noch immer. Am Umgang mit Suppe, mit einer bestimmten
Suppe, kann man erkennen von welchem Land, von welcher Region, von welcher
Stadt ein Mensch kommt oder zugehört.
"Können wir uns künstlich ernähren, ohne Kochen und
Essen, wie es historisch gewachsen ist?
Können wir das? Es hat einen Versuch gegeben. Ich war kürzlich
in Washington im Air-and-Space-Museum. Die NASA hat einen Versuch gemacht
mit Astronauten, weil das Fehlen der Schwerkraft normales Essen ja so
schwer macht. Wenn man jemanden den Teller unter der Suppe wegzieht, hängt
die Suppe im Raum. Ein klarer Fall für die Wissenschaft!"
Sollen wir das nun als Hinweis für unser Suppenmodell deuten. Eine
fatale Sache.
Doch besinnen wir uns auf Peter Kubelka, was meint er am Beispiele der
Astronauten dazu:
"Es werden normale Speisen gekocht, Schweinsbraten, Schnitzel, alles
normal, und dann wird püriert, der Geschmack und die Substanzen bleiben
erhalten, nur das ganze kommt aus der Tube und ist vollkommen kapselrein.
Die Astronauten haben das gemacht und festgestellt, daß sie das
überhaupt nicht vertragen. Sie sind krank und trübsinnnig geworden.
Tatsächlich, trotz Wissenschaft hat die NASA das ganze Programm umgestoßen,
und die essen jetzt in der Raumkapsel Spaghetti, die schweben. Und das
müssen sie lernen, weil anscheinend ein Mensch von Tubennahrung nicht
leben will, auch wenn sie noch so gut ist."
Kochen, Essen, Suppe gehört also klar zum Menschen, zu des Menschen
Kultur; auch heute noch, und es wird vermutlich immer so bleiben.
Kultur
- Kochen - Suppe kochen, generell Kochen ist ein Akt der Schöpfung,
ist ein künstlerischer Prozess, ist Kultur:
"Was macht der Koch? Was die Menschheit ihrem Gott zubilligt, nämlich
daß er mit den Elementen herumfuhrwerken darf - Feuer, Wasser, Luft,
Erde -, das macht der Koch in seinem begrenzten Universum. Er kann es
dort heiß machen, er kann es kühl machen. Er kann aufgießen.
Die Hitze und die Sonne, das ist eine absolute Analogie. Genau wie die
Sonne bringt sie die Flüssigkeit zum Aufsteigen, es formen sich Wolken,
es verdampft die Flüssigkeit, sie schlägt sich am Rand des Backrohres
nieder, kommt wieder zurück auf die Speise. Der Koch arbeitet unter
denselben Bedingungen wie die Natur, er gehorcht den sogenannten Naturgesetzen,
nach denen sich im Universum die Wesen entwickeln. Er stellt Wesen her,
die es im Universum vorher nicht gab, wie eben den Schweinsbraten".
Kultur ist Suppe - ein stimmiges Modell?
Kubelka weist auf die Universalität von Kochen,
von Kultur hin. Eine weitere Bestätigung für Kultur ist Suppe,
für die Möglichkeit mit Kultur ist Suppe regionale Zugehörigkeit
zu messen, können wir an den nächsten Zeilen Kubelkas ermessen:
"Aber von Region zu Region wird anders gegessen, weil eine andere
Lebensanschauung, eine andere Weltanschauung ausgedrückt wird, weil
eben, sagen wir, ein Mühlviertler anders denkt als ein Franzose.
Und das sieht man im Essen, und das schmeckt man im Essen."
Warum mit Kultur ist Suppe so genau eine kulturelle Zugehörigkeit,
eine Abstammung gemessen werden kann, erklärt Peter Kubelka folgendermaßen:
"Kochen und Essen, das ist einer der wesentlichsten Teile der Heimat,
und damit natürlich auch der Tradition. Die "Mutterspeisen"
(man sagt ja von jemand, er hat den Schweinsbraten schon mit der Muttermilch
bekommen), also die Speisen, die wir seit unserer Jugend essen, werden
für uns zu einem brauchbaren und verwendbaren Vokabular - wie die
Muttersprache. In Amerika komme ich immer wieder zu emigrierten Leuten. Und es ist rührend
zu sehen, wie sich diese Menschen in ihre Heimat zurückversetzen,
indem sie ihr heimatliches Gericht essen. Und wenn sie sich darüberbeugen, so daß der Gesichtskreis nur
das heimatliche Gericht erfaßt, und wenn sie dann den ersten Bissen
essen, dann sind sie zu Hause. Dann sind sie in der Heimat. Ein Verlust
des Essens, des gewachsenen Essens, ist gleichbedeutend mit dem Verlust
der Heimat."
Ein weiterer Aspekt von Kultur ist Suppe ist natürlich, wie jemandem
die Suppe schmeckt. Daran kann man erkennen, wie der- oder diejenige der
jeweiligen Suppe/Kultur zugetan ist. Voraussetzung ist, daß der
Mensch schon mal Suppe geschmeckt hat, weiß wie Suppe schmeckt,
wie bestimmte Suppen schmecken, aber auch: bei einer für den Probanden
wirklich ungewöhnlich schmeckenden Suppe, kann man sich darauf verlassen,
daß er/sie einzelne Zutaten der Suppe erschmeckt:
"Schauen Sie sich im Raum um, und Sie werden nichts finden, von dem
Sie nicht wissen wie es schmeckt. Man weiß, wie das Tischtuch schmeckt,
man weiß wie Knoblauchschale schmeckt, man weiß wie der Verputz
schmeckt, man weiß wie der Vorhang schmeckt, also kommt man drauf,
alles hat man abgeschleckt. Man weiß vielleicht nicht mehr wann,
aber man hat. Die Grundlage für die Welterkenntnis ist die Welterschleckung.
Die Welt im Mund!"